Projektberatung

Im Folgenden sind einige Stichpunkte und Tipps zur erfolgreichen Zusammenarbeit in China aufgeführt. Es handelt sich um Erfahrungswerte aus einer langjährigen Dolmetschpraxis in der Zusammenarbeit mit chinesischen Firmen, Fabriken, Krankenhäusern und Bildungsinstitutionen.

 

Prozesse des Verstehenlernens sind unter China im Westen beschrieben; weitere wissenswerte Angaben enthält der Artikel Kultureller Austausch mit China.

 

Bei Bedarf bieten wir auch Workshops für interkulturelles Training an.

Einige Grundregeln für erfolgreiche Zusammenarbeit in China

 

- Zeit: Was immer wieder übersehen wird, ist die Wichtigkeit, genügend Zeit einberechnen, um persönliche Kontakte zu schliessen und vor allem auch längerfristig zu pflegen. Dazu gehören: gegenseitige Geschenke, gemeinsames Essen, gemeinsames Vergnügen (Bar, Karaoke, Pingpong u.ä.)

 

- Kontakte: Das berühmte Wort guanxi (Beziehungen) kommt hier zum Tragen. Gute persönliche Kontakte sind das Ah und Oh in China. Gute persönliche Kontakte sind daher auch die tragende Basis jedes Projektes und jeder Zusammenarbeit. Dies kann im positiven Fall eine sehr bereichernde Erfahrung sein und aus der Zusammenarbeit eine schöne Lebenserfahrung machen, die man nicht mehr missen möchte. Im negativen Fall werden Kontakte und Freundschaften nur der Nützlichkeit wegen gepflegt, Geschenke und Hilfeleistungen nur in Hinsicht auf eine Art "Schuldenkonto" gegenseitiger Vorteile ausgeteilt.

 

- Essen: Essen ist wichtig. Mittags muss zwischen 11h30 und 12h eine Pause eingelegt werden, während der eine warme Mahlzeit eingenommen werden kann. Ansonsten lässt die Konzentrationsfähigkeit der chinesischen Mitarbeiter nach und verhaltener Unwille macht sich breit. In Firmen und Institutionen wird mittags entweder in einer Mensa gegessen, oder es wird Fastfood ins Büro geliefert. Bei Zusammenarbeit mit ausländischen Partnern wird der chinesische Partner meist aus Höflichkeit eine Einladung in ein Restaurant aussprechen, was einerseits der Entspannung dienen und die gegenseitige Bekanntschaft vertiefen kann, andererseits aber auch von der Arbeit ablenkt und meist recht viel Zeit einnimmt. Grundregel: Erst mitmachen, mit der Zeit auf Basis erhöhter gegenseitiger Vertrautheit um normalen Arbeitsbetrieb bitten.

 

- Trinken: In Nordchina ist Trinken üblich und gefragt; wer nicht mitmachen will, schützt am besten eine ärztliche Vorschrift vor und trinkt keinen Schluck. Wer einmal mitmacht, muss mithalten bis zur Betrunkenheit; auf halbem Weg abbrechen gilt als feige und unhöflich. In südlichen Gegenden wird weniger aufs Trinken gepocht; man einigt sich relativ leicht auf „nur ein bisschen“ und belässt es dabei. Die neue Linie von Staatspräsident Xi Jinping kommt dieser Verhaltensweise sehr entgegen (Essen nicht vergeuden, Alkoholkonsum beschränken).

 

- Einladungen: Als Einladung eignet sich ein ausgiebiges Abendessen in einem noblen Restaurant. Chinesisches Essen: Am besten macht ein verlässlicher chinesischer Partner, welcher der eigenen Seite verpflichtet ist die Wahl, sowohl was das Restaurant als auch was die Auswahl der Speisen anbelangt. Westliches Essen: Es gibt in den großen Städten inzwischen gute westliche Buffets à discretion, wo chinesische Partner bei Bedarf auch gewohnheitsmässig alle möglichen Gerichte nach eigener Wahl zusammenstellen können.

 

- Geschenke: Geeignet sind qualitativ gute Spezialitäten in gut aussehender Verpackung, wenn möglich aus dem eigenen Land: Spirituosen, Parfüm, Schokolade, auch praktische Designobjekte. Wenn Interessen und Neigungen der Partner bekannt sind, sollte man diesen in der Art der Geschenke entgegenkommen. No-Gos: Uhren/Wecker (im chinesischen lautet „Uhren schenken“ gleich wie „in den Tod begleiten“) Birnen („Birne“ lautet gleich wie „Trennung“), sowie billige Kleinigkeiten wie Kugelschreiber, Feuerzeug, Streichhölzer. Firmengeschenke solcher Art können natürlich nebenbei verteilt werden, aber nicht in Form richtiger Geschenke.

In China ist es im allgemeinen nicht üblich, Geschenke extra zu verpacken; doch im Rahmen internationaler Zusammenarbeit haben sich solche Gepflogenheiten teilweise eingebürgert. Traditionellerweise wird ein Geschenk diskret abgestellt und anschliessend kommentarlos mitgenommen, also niemals vor aller Augen ausgepackt. Dabei sind sich aber die Beteiligten sehr bewusst, was das Geschenk, inklusive dessen Geldwert, zum Ausdruck bringen soll. Preisaufkleber müssen daher nicht zwingend entfernt werden.

Zu beachten sind auch hier die hierarchischen Verhältnisse: grössere/teurere Geschenke für ranghöhere Personen.

 

- Ausgleich: Geschenke, Einladungen und Hilfestellungen sollten in einem ausgeglichenen Verhältnis zueinander stehen. Wer eingeladen worden ist, sollte seinerseits eine Einladung aussprechen; wer Geschenke erhalten hat, seinerseits Geschenke verteilen. Dies darf ruhig über eine längere Zeitspanne hinweg vergolten werden – z.B.: Wir werden in China eingeladen, die chinesischen Partner werden von uns in unserem Land eingeladen. Alles in allem sollten sich die gegenseitigen Geschenke, Dienstleistungen, Hilfestellungen und Einladungen über einen übersehbaren Zeitraum hinweg die Waage halten. Falls es finanziell nicht möglich sein sollte, im eigenen Land denselben Aufwand an Hotels und Einladungen zu betreiben wie man es in China erlebt hat, wird auch persönliche Zuwendung und eine "Vergütung" in Form von Zeitaufwand und persönlicher Begleitung einer ranghöheren Person geschätzt. 

 

- Vertrag: Verträge und Vereinbarungen sind notwendig, doch für chinesisches Verständnis sind diese trocken und unbelebt; sie bleiben Papier und wärmen die Sache nicht auf. Tragend ist die menschliche Basis; erst im Konfliktfall hält man sich an den Vertrag. Der leider nicht seltene Versuch, innerhalb von ein, zwei Treffen mit Partnern in China einen Vertrag aufzustellenund dann alles weitere gemäss Vereinbarungen durchzuführen, ist im Normalfall zum Scheitern verurteilt. In der Folge werden sich Probleme einstellen wie unbeantwortete Mails, nicht erreichbare Personen, Nichteinhaltung gewisser Abmachungen - eine Art "passiver Widerstand", der in China sofort hellhörig machen muss, da er auf grundsätzliche Probleme hinweist.

 

- Hierarchie: Im chinesischen Zusammenleben spielt die Hierarchie immer noch ein übergeordnete Rolle. Die Person mit dem höchsten Rang hat bei Entscheidungen das letzte Wort; die Meinungen der untergeordneten Personen gelten letztlich nicht. Der/die Vorsitzende wird sich im Normalfall hinter verschlossener Tür mit den Untergebenen besprechen und deren Meinungen einholen; dem Partner gegenüber tritt das chinesische Team aber geschlossen hinter der Leitperson auf. Zu beachten ist außerdem, dass die Ranghöhe beider Partner aufeinander abgestimmt ist. Die Leitperson des Partners wird von der eigenen Leitperson empfangen, ebenso der Überbringer einer wichtigen Mitteilung der Leitperson.

 

- Fettnäpfchen: Fettnäpfchen westlicher Besucher sind sich Chinesen gewohnt, ja diese werden sozusagen erwartet. Tritt man tatsächlich hinein, pflegen die chinesischen Partner dann aber höflich darüber hinwegzusehen. In China ist die Toleranz für andersartiges Verhalten ziemlich groß, solange es sich um Angehörige anderer Nationalitäten oder Einflüsse aus dem Westen handelt.

 

- Ehrlichkeit: Deutsche Aufrichtigkeit und Verlässlichkeit werden in China sehr geschätzt, wohl gerade weil es daran heutzutage in China so sehr mangelt. Hier gilt es, menschlich die richtigen Partner zu finden. Im Idealfall möchte der Partner selbst auf der Basis von Aufrichtigkeit und Verlässlichkeit arbeiten und vermisst dieselbe im chinesischen Alltag und Geschäftsleben. In diesem Fall kommt wird der aufrichtigen Haltung eine aufrichtige Wertschätzung entgegengebracht. Umgekehrt kann es aber auch sein, dass Aufrichtigkeit und Gradlinigkeit unter der Maske von Zuvorkommenheit und Gastfreundschaft missbraucht werden – was man meist erst dann merkt, wenn es zu spät ist.

 

- Probleme: Bei Problemen darf man leider nicht auf Offenheit hoffen. Probleme werden intern diskutiert, extern hingegen werden eher Strategien angewendet als ein offener Diskurs angestrebt. Sobald grundsätzliche Dinge nicht mehr funktionieren (Abmachungen werden nicht eingehalten; Leitpersonen sind bei wichtigen Besprechungen ohne triftigen Grund abwesend; kühle Stimmung nach anfänglich freundlicher Verbindlichkeit etc.) weist dies auf das Bestehen eines grundsätzlichen Problems hin.

 

- Konfliktlösung: Zu empfehlen ist bei offensichtlichen Problemen oder Konflikten in erster Linie der persönliche Kontakt mit einer entscheidungstragenden Leitperson unter vier Augen (wenn nötig mit einem neutralem, d.h. nicht ins Geschäft involvierten Dolmetscher). Hier darf man, wenn das persönliche Treffen wirklich zustande kommt, relativ direkte Offenheit erwarten. Möglich ist auch eine Ermittlung der Lage durch Dritte oder durch eine Vertrauensperson im chinesischen Team. Manchmal empfiehlt sich auch eine Beratung von Chinaspezialisten.


Für weitere Tipps und Beratungen: