Übersetzung "Die Reise in den Westen"

Der beliebte chinesische Roman Xiyouji 西游记 (Die Reise in den Westen) ist bis heute ein lebendiger Teil des chinesischen Kulturguts. 

 

Die grosse Popularität ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass das Werk auf ganz unterschiedlichen Ebenen gelesen werden kann: als spannende Abenteuergeschichte und Reise durch märchenhafte Welten, als Sammlung mythologischer Erzählungen, als politische Satire, als Reise zu geistiger Erlösung, als Darlegung buddhistischer, daoistischer und konfuzianischer Gedanken und nicht zuletzt als vielseitiges und illustratives Dokument zur traditionellen chinesischen Weltanschauung.

 

Die erste vollständige Übersetzung ins Deutsche (Reclam, 2016) bringt die unterschiedlichen Aspekte dieses Werks der Weltliteratur angemessen zur Geltung.

 

Die Reise in den Westen. Ein klassischer chinesischer Roman. 1320 Seiten, mit 100 Holzschnitten nach alten Ausgaben. Übersetzt und kommentiert von Eva Lüdi Kong. Blick ins Buch

 

Rezensionen:

Frankfurter Allgemeine

Süddeutsche Zeitung

Neue Zürcher Zeitung

Die Welt

ZEIT online

Perlentaucher

German.China

Kultumea

 

Interviews:

Die Presse

Goethe-Institut Peking

Weser Kurier

 

Lesungen und Vorträge 2018:

 

27. Januar:   Universum der menschlichen Seele - Das Herz im Roman "Die Reise in den Westen".

Heidelberg

 

28. April:      Seminar: Vorstellungen von 心 xin (Herz) in Daoismus, Buddhismus und Konfuzianismus.

Basel

 

8. Mai:         Aspekte der chinesischen Medizin im Roman "Die Reise in den Westen"

Bad Nauheim

 

9. Mai          Vorstellungen von 心 xin (Herz) in Daoismus, Buddhismus und Konfuzianismus

Bad Nauheim

 

27. Oktober: Aspekte der chinesischen Medizin im Roman »Die Reise in den Westen«

Basel

 

 

Lesungen 2017:

- 21. Januar: Eisenach, Medizinische Gesellschaft Qigong Yangsheng

- 24. Februar: Basel, Buchhandlung Zum Bücherwurm

- 6. März: Paderborn, Universität Paderborn, Fakultät für Kulturwissenschaften, Konfuzius-Institut

- 7. März: Bremen, Konfuzius-Institut

- 8. März: Hannover, Leibniz-Universität Hannover, Konfuzius-Institut

- 9. März: Stralsund, Konfuzius-Institut 

- 10. März: Hamburg, Literatur im Teehaus, Konfuzius-Institut 

- 26. April: Freiburg, Konfuzius-Institut

- 27. April: Heidelberg, Konfuzius-Institut

- 28. April: Frankfurt, Konfuzius-Institut

- 6. Mai: Zürich, Buchhandlung Paranoia City

- 17. Mai: Würzburg

- 18. Mai: Erfurt, Konfuzius-Institut

- 13. Oktobar: Bonn, Medizinische Gesellschaft Qigong Yangsheng

 

Die Erzählung

Die Geschichte des Romans Xiyouji basiert auf der historischen Indienreise des chinesischen Mönchs Xuanzang (596-664) zu Beginn der Tang-Dynastie (618-907), der in das ferne Ursprungsland des Buddhismus reiste, um Original-Sutren aufzusuchen und zu studieren.

 

Im Roman jedoch wird diese Reise zu einer vielgestaltigen, bildhaften Allegorie: Die fabelhafte Expedition zu einem fernen Ziel steht zugleich als Weg zu geistiger Vervollkommnung.

 

Die Hauptrolle kommt nicht mehr dem Mönch Xuanzang, sondern dem flinken und mit magischen Fähigkeiten begabten Affen Sun Wukong zu, der zusammen mit dem Lust und Weltlichkeit zugeneigten Schwein Bajie, dem furchterregenden aber aufrechten Hünen Shaseng und einem weißen Drachenpferd Xuanzang vor Geistern, Räubern und insbesondere Dämonen beschützt, welche die Pilgernden unterwegs fortwährend bedrohen und aufhalten.

 

Durch die liebevollen und mit geistreicher Ironie gewürzten Schilderungen erhalten die Pilger wie auch deren Widersacher ein ausgesprochen wirklichkeitsnah gezeichnetes Eigenleben.

 

Umstrittene Autorschaft

Die Identität des Autors ist bis heute nicht zufriedenstellend geklärt. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts gilt offiziell der Literat Wu Cheng'en 吴承恩 (ca.1500-ca.1582) aus der Provinz Jiangxi als Autor des Romans, was neuere Forschungen, welche die Autorschaft eher in daoistischen Kreisen suchen, zunehmend bezweifeln. Die Kontroversen um die Autorschaft sind nicht zuletzt politisch beeinflusst, da das kommu­nistische China das auch von Mao Zedong geschätzte Werk nicht in einem religiösen Umfeld positioniert haben wollte.

 

Die Reise in den Westen ist aber nicht allein die Komposition eines geistreichen Autors, sondern vielmehr eine Geschichte, die sich über Jahrhunderte hinweg allmählich herausgebildet hat. Bereits zu Lebzeiten von Xuanzang erregte seine Indienreise großes Aufsehen und seine Abenteuer fanden mündliche und schriftliche Verbreitung.

 

Für Geschichtenerzähler, Literaten oder Verfasser von Bühnenstücken eignete sich das Thema ausgezeichnet als roter Faden, an dem alle möglichen Episoden oder bereits bestehende Legenden aufgereiht werden konnten. Auf diese Weise wurde die Reise in den Westen zu einem Träger jahrhundertealter Legenden und Weltanschauungen der chinesischen Tradition.

 

Unterschiedliche Ebenen

Dem Romanautor stand also bereits eine ausführliche Basis zur Verfügung, die er nun erstmals einem zusammenhängenden philosophischen Gedankengerüst einfügte: der für die ausgehende Ming-Dynastie (1368 – 1644) typischen Verbindung von Daoismus, Buddhismus und Konfuzianismus, mit der Betonung, dass der Kern dieser drei Lehren allein im „Herzen“ zu finden sei.

 

So ist es denn auch das Herz, das im „Herzaffen“ Sun Wukong verkörpert auf einer tieferen Ebene die Hauptrolle spielt. Der Roman beginnt mit seiner Entstehung aus dem Kosmos und endet mit seiner Vervoll­kommnung.

In diesem Sinne thematisiert die ganze Erzählung der Reise in den Westen untergründig die schrittweise Entwicklung und Vervoll­kommnung einer Psyche, deren Innenleben nicht nur in den verschiedenen Rollen der Schriftenholer zum Ausdruck kommt, sondern sich letztlich vergrössert im Makrokosmos von Himmel und Erde abspielt.

 

Diese zielgerichtete Entwicklung kommt in der Reise in den Westen auf drei Ebenen zur Sprache:

 

1. Ebene der Erzählung:

Hier finden wir eine Konglomeration aus zahlreichen Legenden und sprühender Phantasie, aus abenteuerlichen Geschichten und geistreichen Wortwechseln. Thematisch beschreibt die Reise in den Westen einen Weg zu einem klaren Ziel. Im Konkreten zeigt sich dies in der Reise zu den Heiligen Schriften, die Tripitaka in den Osten bringen will. Die Pilgernden selbst streben das Ziel an, durch dieses Verdienst „die rechte Frucht zu erlangen“, d.h. ihre ursprüngliche Identität als himmlisches Wesen zurückzukehren. Damit wird die Reise zum Versuch, einen „Rechten Weg“ zu begehen. Dieser Weg zeigt sich nicht nur als vielschichtiger Kampf zwischen positiven und negativen Kräften, sonder auch in Form gesellschaftskritischer Hinweise. So sind beispielsweise mehrere Satiren auf despotische Könige ferner Länder eingeflochten, die bestimmte Zustände im damaligen chinesischen Kaiserreich thematisieren.

 

2. Allegorische Ebene:

Die fabelhafte Expedition zu einem fernen Ziel steht zugleich als Weg zu geistiger Vervollkommnung. Auf einer allegorischen Ebene stellt sowohl die Fünfergruppe der Pilgernden als auch das gesamte Universum ein Abbild der Psyche dar, ganz im Sinne der buddhistischen Idee, dass alles im menschlichen Erdenleben eigentlich ein „Abbild des Herzens“ sei. Im Makrokosmos von Himmel und Erde und im Zusammenspiel zwischen Pilgern, Göttern und Dämonen spiegelt sich der nach Vollendung trachtende menschliche Geist. Gedanklicher Hintergrund ist hier vorwiegend die buddhistische Psychologie, deren Ziel die Befreiung des Geistes und damit letztlich die „Erlangung der Buddhaschaft“ ist.

 

3. Ebene der daoistischen Symbolik:

Diese Ebene kommt punktuell in Kapitelüberschriften und Gedichten zum Vorschein, schwingt aber durch den ganzen Text latent mit. Viele Gedichte stammen aus bekannten daoistischen Schriften. Den Hauptfiguren werden Beinamen aus dem Vokabular der Inneren Alchemie (neidan) zugewiesen, wie Goldherr, Holzmutter, Schöne Maid, Blei, Quecksilber. Diese Begriffe zeigen an, dass eine weitere Erzählung unter der Erzählung liegt: Die Arbeit an der Vervollkommnung der Körper- und Geisteskräfte, wie sie in der daoistischen Praxis begangen wird. Diese Methoden stehen ebenfalls als Weg zur Vervollkommnung, doch im Unterschied zur buddhistischen Psychologie wird hier nicht nur den Geist, sondern auch den Körper mit einbezogen. Dadurch werden die agierenden Figuren auch verknüpft mit den körperlichen Organen, wobei das Entsprechungssystem der Fünf-Elemente-Lehre und das Buch der Wandlungen eine wichtige Rolle spielen. Ziel der Inneren Alchemie ist der die Erlangung geistiger Unsterblichkeit.

 




Mönch Xuanzang

Wandmalerei in Dunhuang, 9. Jh.


Seite aus einer Vorform des Romans: Wie Tripitaka aus der Tang-Dynastie die Schriften holte, Textbuch mit Reimgesängen, 9./10. Jh.


Schriftzeichen 心 für "Herz"

Darstellung aus dem Xingming Guizhi

   Sun Wukong

    Zhu Bajie

    Sha Wujing